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Es ist schon ein paar Monate her, dass ich hier das erste Mal etwas aus der Praxis meines Jobs erzählte (Schildermacher).

Heute noch ein paar mehr Beispiele.

Immer wieder werden Pokalschilder gewünscht. Dabei ist der verlangte Preis ausschlaggebend, das spricht sich rum: Geh doch auch zu dem, da kostet es nur… Wenn das Ergebnis allerdings zu wünschen übrig lässt, wird manchmal auch ein günstiger Hersteller verworfen.

Wir sehen manchmal Pokale mit alten Schildern, die woanders angefertigt wurden und aus unserer Sicht nicht sehr ansehnlich sind. Es macht dann besonders viel Freude, ein schönes Schild zu fertigen und den Pokal entsprechend zu überreichen. Ob der Pokal an sich hübsch ist, da gehen die Geschmäcker weit auseinander.

Kürzlich hatten wir 3 Köpfe aus bronzefarbigem Metall von Windhunden. Auf dem Sockel war Platz für ein Schild. Wir wählten in Abstimmung mit der Kundin ein silberfarbiges gebürstetes Metall und für den jeweiligen Namen des Hundes eine Schreibschrift. Darüber und darunter war in normaler Schrift und kleiner der Name der Veranstaltung und die Auszeichnung genannt. Die Schilder wurden, wie bei Pokalschildern üblich, facettiert, d.h. am Rand wird die Kante gebrochen (abgeschrägt). Das Ergebnis war äußerst dekorativ.

Hier ein Pokalschild aus Messing (Teststück):

292 Pokalschild MessingHier sieht man einiges.

Erstens: Messing ist sehr kratzempfindlich und heikel, auch wenn es – wie hier – oberflächenbehandelt ist (damit es nicht anläuft).

Zweitens: Die meisten Materialien haben eine (Strich-) Richtung, hier sichtbar von oben nach unten, also vertikal. Es gilt die Regel, ein Schild immer mit der Materialrichtung von links nach rechts, also horizontal, anzufertigen. Wenn es um sehr kleine Schilder geht und um hochwertiges Material, brechen wir diese Regel schon mal und verwenden Reste. Das kann – gerade bei Pokalschildern – manchmal ganz dekorativ aussehen, etwa wie beim Stricken manchmal aus Stilgründen bewusst die „linke“ Seite nach außen getragen wird. Bei Material, wo die Richtung fürs Auge in der Regel nicht erkennbar ist, spielt es natürlich keine Rolle und man kann sich auf die benötigte Schildgröße konzentrieren und das vorhandene Material ausnützen, damit möglichst wenig Abfall entsteht.

Drittens: Beim ersten Wort wurde bereits Nitrofarbe in die Gravurvertiefungen eingebracht (und die Reste drumherum abgeputzt); die restliche Schrift ist noch unbehandelt.

Das „Putzen“, nachdem die Farbe getrocknet ist, geschieht z.B. mittels eines Rest-Materialstreifens aus stabilem Kunststoff, der mit einem speziellen weichen Vlies umwickelt wird, mit Sprit (Spiritus) getränkt und dann in Materialrichtung (wegen des schöneren Ergebnisses) hin und her oder auch in Kreisen bewegt wird, bis nur die Farbe in den Vertiefungen übrig bleibt und der Rest weg ist. Würde man das Vlies nur um den Finger wickeln, würde man zu viel der Farbe auch aus den gravierten Vertiefungen wieder mit herausputzen. Was durchaus gelingt, wenn das mal erwünscht ist, weil z.B. die Schrift in einer anderen Farbe gefüllt werden soll.

Hier ein Beispiel vorher / nachher bei einem Koch-Klingelschild, das in der Standardgröße 45×19 mm und mit den gebohrten Löchern so fertig gekauft wird. Die zugehörigen Schräubchen sind meistens an den Klingelbrettern bereits vorhanden oder werden, wenn verloren gegangen, von uns dazu geliefert.

293 Koch Klingelschild vor dem Färben294 Koch Klingelschild nach dem FärbenDas Färben ist insofern eine zunehmende Herausforderung, als die Oberfläche des verwendeten Alu-Materials tendenziell schlechter zu werden scheint. Das bedeutet, dass die Farbe sich in feine Rillen auf der Oberfläche setzt und dann nicht oder nur aufwändiger (mit Nitro-Verdünnung und Wattestäbchen) heraus geputzt werden kann. Die Qualität der Eloxierung (Oberflächenbehandlung) scheint nicht immer gleich zu sein.

Als ich im Job begann, war es üblich, dass wir die Farbe nach dem Aufbringen auf das Schild mit einem flachen Kunststoff-Streifen abgestrichen haben, damit sie nicht so dick ist, schneller trocknet und schneller wieder abgeputzt werden kann. Zunehmend hatten wir dann Probleme mit verbleibenden „Schatten“ oder „Wolken“, die man mühevoll mit Wattestäbchen und Nitro-Verdünnung wegzubekommen suchte. Bis wir drauf kamen, dass durch das Abstreifen die Farbe in die Vertiefungen auf der Oberfläche gedrückt wird und das Problem unterbleibt, wenn wir nicht abstreifen. Die Farbe befindet sich in kleinen Kunststoff-Fläschchen mit einem feinen Röhrchen oben dran. Damit lassen wir jetzt die Farbe in die Vertiefungen fließen und streichen nichts ab. Das Trocknen und Putzen dauert dann zwar etwas länger, wird dafür aber in den meisten Fällen auf Anhieb rückstandsfrei. Wenn Vormittags gefärbt wird und am Spätnachmittag geputzt, liegt das durchaus im üblichen zeitlichen Arbeitsablauf drin.

Grundsätzlich muss man für Schilder, die gefärbt werden, tiefer gravieren (als bei Kunststoff), damit die Farbe beim Putzen auch drin bleibt.

Manchmal werden Rondelle graviert. Diese hier wurden uns vom Kunden angeliefert und bestehen aus relativ günstigem Alu, das sieht man u.a. an der nicht ganz einheitlichen Oberfläche.

295 AlurondelleEs war eine Serie von 120 Stück mit fortlaufender Nummerierung, was praktisch u.a. bedeutet: 120 mal einspannen, 120 mal ausspannen.

Kleinere zu gravierende Teile und Schilder werden nämlich in eine Art Schraubstock gespannt, der auf der Graviermaschine befestigt ist, so dass sie beim Gravieren nicht verrutschen. Für größere Schilder muss man den Aufbau des Schraubstocks entfernen und das Schild auf der Grundarbeitsfläche links oben in der Ecke anschlagen lassen und mit verschiedenen Spannvorrichtungen festschrauben.

Wie man hier bei der Rondelle sieht, entstanden beim Gravieren an der Oberseite der Ziffern „Schleifspuren“. Das kann ein Zeichen von Minderwertigkeit des Materials sein und entsteht durch die Metallpartikel, die während der Gravur unterhalb der „Nase“, in der sich der Fräser befindet und die während der Gravur auf dem Schild aufliegt und den Fräser quasi führt, über das Schild geschleift (und damit eingekratzt) werden.

Das kann man zu verhindern suchen, indem man während der Gravur mehr Sprit zuspritzen lässt und/oder indem man die Nase so verdreht, dass der Sprit besser durch ihre seitlichen Öffnungen direkt an die Stelle gelangt, wo graviert wird.

Diese Schleifspuren kann man später nur mit händischer Nachbearbeitung mit Metarex wegzubekommen suchen, das ist eine Art Polierwatte (getränkt mit einem Mittel), die wir „Stinkwatte“ nennen, weil sie wirklich stinkt. Ich ziehe immer Handschuhe an zur Verwendung, sonst hat man nachher das Gestink an den Fingern.

Bei allen bis hierher gezeigten Schildern wurde die ganz normale Grundschrift des Geräts verwendet, die eine 1L-Schrift ist. Das bedeutet, es wird pro Buchstabe nur eine Linie graviert. Diese Linie kann lediglich durch die Fräserdicke und -tiefe variiert werden.

Wir haben sehr viele Schriften zur Verfügung. Neben den 1L-Schriften gibt es auch 2L-, 3L- und 4L-Schriften. In diesen Fällen wird ein Buchstabe durch das 2-, 3- oder 4-malige Abfahren gefräst, wodurch die Schrift fetter (breiter) wird.

Für die folgenden Schilder wurde uns der Firmenschriftzug + Logo des Kunden in elektronischer Form angeliefert, was wir per Stick auf den Computer der Graviermaschine übertragen haben.

296 Logo-Gravur und Mehr-L-SchriftenIn solchen Fällen (wie auch bei Schriften, die nicht zu den Grundschriften des Computers gehören), muss beim elektronischen Setzen der Datei zur Gravur ein Werkzeug hinterlegt werden, d.h. man muss der Maschine händisch den Befehl geben: Berechne diese Gravur mit der Fräserdicke z.B. 0.20 mm (oder 1.25 mm oder …). In der Vorschau kann man sich dann ansehen, wie die Gravur mit dieser Fräserdicke aussehen würde.

Verwendet man – wie hier beim Logo – für eine Fläche einen sehr feinen Fräser, fährt die Maschine entsprechend häufig entlang, um die Fläche entstehen zu lassen, daher die vielen sichtbaren Linien (die später bei eingefüllter Farbe natürlich nicht mehr sichtbar sind). Das kostet Zeit. Verwendet man einen dickeren Fräser, muss er nicht so häufig entlang fahren, das Ergebnis wird aber auch nicht so „fein“. Hier muss man beim Setzen also das optimale Ergebnis austüfteln.

Verwendet man z.B. für eine sehr fette und große „computerfremde“ Schrift einen zu dicken Fräser (um Zeit zu sparen), sieht man in der Vorschau manchmal Auslassungen bei den Buchstaben. Dann muss man mit der Fräserdicke soweit herunter gehen, bis die Auslassungen verschwinden und alle Buchstaben tadellos ausgraviert werden.

Eine Besonderheit bei diesem Auftrag war noch, dass die Schilder mit 4×5 cm relativ klein waren und das Logo in einer anderen Farbe eingefärbt werden musste als der Firmenschriftzug. Dazu muss man abkleben, erst die eine Farbe aufbringen, trocknen lassen, abputzen; dann den anderen Teil abkleben, zweite Farbe aufbringen, trocknen lassen und abputzen; so dass die Farben nicht ineinander verlaufen oder beim Putzen ineinander hinein geschmiert werden. Bei so kleinen Schildchen also eine kleine Fieselei.

Das macht die Sache aufwändiger, zeitintensiver und kostet entsprechend mehr.

Im Moment arbeite ich an 7 fast identischen, relativ großen Alu-Schildern für eine ärztliche Praxis, wo oben ein zweifarbiges Logo der Praxis drauf kommt, quer über das Schild eine gepunktete Linie erscheint, die rechts in einen durchgezogenen Strich mündet und dann kommt die Aufzählung der verschiedenen Ärzte in normaler Computergrundschrift. Ein einziges dieser Schilder hat eine reine Gravurzeit (mit verschiedenen Fräserdicken) von 2 1/2 Stunden.

Zuletzt noch ein Beispiel eines Kunststoff-Schildes, das in grün/weiß gewünscht wurde.

297 Grün-weisses Kstf.-Schild300Es sollte auf einen Arbeitsschutz-Koffer geklebt werden und enthält die Liste dessen, was im Koffer drin ist. Die zweiseitige Klebefolie bringen wir zum Schluss auf, so dass der Kunde nur noch die Folie abziehen und aufkleben braucht.

Hier war die Besonderheit, dass das Schild 15×15 cm groß sein sollte und der Text der Inhaltsliste relativ breit wurde. Hätte man eine zu kleine Schrift verwendet, um in der Breite gut hinzukommen, wäre oben und unten auf dem Schild viel freier Platz gewesen, was blöd aussieht. Also fand ich eine extreme Schmalschrift, die ich so groß wählen konnte, dass die Zeilen in der Breite auf das Schild passen und das Schild insgesamt auch oben und unten weitgehend füllten, so dass sich ein harmonisches Schriftbild ergab.

Diese Schilder brauchen nicht gefärbt werden. Sie bestehen aus mehreren Schichten. Die oberste wird bei der Gravur abgetragen, so dass die Schrift in der darunter liegenden Farbe erscheint.

298Bei diesem Schild ging ständig etwas schief, ich musste immer wieder neu anfangen.

Einmal war es im Schraubstock verrutscht, da ich bei der Größe für die Stabilität eine Aluplatte untergelegt und das Ganze nicht fest genug angezogen hatte. Dann hatte ich, damit nichts mehr verrutscht, so fest angezogen, dass folgendes passierte:

299In der Mitte hatte sich das relativ dünne Kunststoffschild ein wenig aufgebaucht, so dass der Fräser beim Fahren von einem Buchstaben zum nächsten eine Kratzspur hinterließ.

Die Höhe, in der der Fräser von einem Buchstaben zum nächsten fährt, kann man zwar einstellen. Wählt man dort aber einen höheren Wert, verlängert das die Gravurzeit, da der Fräser ständig zwischen den Buchstaben zum Weiterfahren angehoben und langsam wieder auf die Gravurfläche abgesenkt wird. Die Höhe des Weiterfahrens des Fräsers wählt man daher in der Regel so gering wie möglich (2 bis 2.5 mm), ohne zu riskieren, dass das passiert, was hier passiert ist.

Als das Schild dann endlich richtig graviert, mit der Klebefolie versehen und fertig war, stellte ich fest, dass auf der Bestellung die Anzahl 2 vermerkt war, d.h. das ganze nochmal, es sollten 2 identische Schilder werden. Auch so kann man einen Nachmittag rum bringen :).

Zum Glück gibt es bei sowas nie Kritik vom Chef wegen der verbrauchten Zeit. Er kennt die praktische Seite und weiß, dass es Tage gibt, wo einfach ein paar Dinge schief gehen. Hauptsache, das Endergebnis, das dem Kunden abgeliefert wird, passt dann.

Diese Tätigkeit ist auf jeden Fall so abwechslungsreich und kreativ, dass ich immer neu viel Freude habe und so manches Mal am Abend stolz auf das blicke, was als Ergebnis meiner Arbeit da liegt, um dann von der Kollegin mit Rechnung versehen zu werden.

Ich hätte einen viel schlechteren Job hier erwischen können!

Nachtrag: Ich habe hier bewusst nur Teststücke und Ausschuss gezeigt, zur Verdeutlichung des Geschriebenen, obwohl natürlich die fertigen Schilder, die gelungen sind, sehr schön aussehen und zeigens- sowie sehenswert sind. Aber ich bin nicht sicher, ob der Kunde eines tatsächlich verkauften Schildes dieses hier gezeigt haben wollen würde. Ein bisschen Privatsphäre muss noch sein. Deswegen hab ich auch die Bildausschnitte so gewählt, dass man jeweils nicht den ganzen Text sieht.

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