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Vor etlichen Jahren erzählte mir eine Freundin in München von der Methode des Voice Dialogue. Eine gemeinsame Bekannte hatte ein Seminar dazu besucht, meiner Freundin davon erzählt und diese begann die Methode für sich sinnvoll einzusetzen, immer dann wenn ein Problem, ein innerer Konflikt, eine Entscheidung anstand.

Sie sagte, sie versammle quasi alle „Sprecher“ in sich um einen Tisch und versuche, zu einer gemeinsamen Lösung oder Vorgehensweise zu kommen.

Damals war mir das relativ fremd und abstrakt, ich konnte für mich nicht viel damit anfangen.

Als ich im Laufe des letzten Jahres in Freidenkerins Blog mitlas, wurde ich mit der praktischen Seite vertrauter, wie der Umgang mit mehreren inneren Anteilen konstruktiv genutzt werden kann; sie nennt sie ihre „Damenband“. Vorerst blieb es für mich beim innerlich bejahenden Lesen und Mitfühlen.

Erst jetzt bin ich dabei, meine unterschiedlichen Anteile und inneren Stimmen langsam zu unterscheiden und zu merken, welche/r davon jeweils gerade am Werk ist. Ich kann mir damit jetzt auch selbst helfen.

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Es gibt Anteile, die hab ich nicht sonderlich gerne, aber es ist wichtig, sie auch an meiner inneren Tafel zu respektieren und zu hören. Weil sie manchmal einen positiven Schub nach vorne blockieren. Wenn ich hinschaue, was das genau für ein Anteil ist, wächst Mitgefühl und Verständnis in mir und ich lade ihn ein, sich auszudrücken. Manchmal verspreche ich so einem Anteil auch, mich künftig achtsamer um ihn und seine Bedürfnisse zu kümmern. Denn einerseits gibt es relativ rigide und ungeduldige Anteile in mir, andererseits solche, die viel Zeit und Geduld, Verständnis und Behutsamkeit brauchen. So haben sich die einen lange vor den anderen versteckt, damit nicht ständig drüber gelatscht und neu verletzt wird.

Als ich heute Morgen sehr früh wach lag, wurde mir Die Psychologin in mir bewusst und ich kann nicht behaupten, dass ich sie im ersten Moment sehr sympathisch fand. Sie hat so manche Plattitüde zur Hand (Zitat WikipediaWie die Floskel hat die Plattitüde ihre Berechtigung in der Kommunikation als Platzhalter oder Sprachfüllsel. Der Begriff stammt aus dem Französischen und wurde von der deutschen Oberschicht als gehobener Begriff für einen Gemeinplatz, eine inhaltsleere Plattheit oder Seichtheit gebraucht.).

Aber ich verstehe, dass sie als Lebensratgeber, als Sammlerin von Lebensweisheiten, als Tippgeberin fungiert hat, wo bessere oder sinnvollere Mittel fehlten. Sie prescht manchmal vor, um eine Situation verstandesmäßig einkreisen oder gleich dingfest machen zu wollen und anderen zu zeigen, dass sie nicht hilflos ist, sondern Bescheid weiß. Sie dient der Hoffnung auf Sicherheit im Sinne von: Aha, verstanden, analysiert, erkannt, mit Etikett versehen, damit entlarvt und weniger bedrohlich.

Ich möchte Situationen nicht mehr so vorschnell „abhandeln“, auch wenn es reflexartig manchmal immer noch geschieht. In dem Moment wo es mir bewusst wird, kann ich aber innerlich einen Schritt zurücktreten und eine größere Übersicht gewinnen, die mehr Details registriert und würdigt, statt in vorgefertigten Schemen erstarrt zu bleiben, auch wenn das manchmal ein paar Tage dauert.

Die Psychologin war in der Vergangenheit hilfreich und hat ihren Platz an meiner Tafel. Sie darf ihre Meinung sagen und wird berücksichtigt. Ich wünsche mir, dass sie ihre Plattheiten überdenkt, bevor sie spricht, ruhiger und besonnener wird und zu einer klugen, weisen Ratgeberin heranwächst. Ich werde sie mit allem nähren, was sie dazu braucht, soweit es in meinem Bewusstsein und meiner Macht liegt.

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