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Obwohl ein Teil (oder Teile?) von mir es gern gewohnt, bekannt, gefühlt sicher und kuschlig hat, sich nicht so gern umstellt, gibt es einen anderen Teil (Teile?) in mir, der sehr neugierig ist und Freude an Veränderungen hat.

Mein Lebenslauf hat mich bisher immer wieder gezwungen, in neue Lebensabschnitte einzutreten. Das fühlte sich an wie: Ob ich es nun wollte, oder nicht.

Auf familiäre Bindungen bezogen gab es den Lebensabschnitt, wo ich das erste Mal verheiratet und Mutter ohne sonstigen Job war. Im Rückblick bin ich dankbar, dass ich auf diese Weise die ersten Jahre im Leben meiner Kinder intensiv erleben konnte.

Es gab den Lebensabschnitt, wo ich mit einem Rundumschlag ausbrach und viele Scherben hinterließ, deren Einsammlung für alle Beteiligten Jahre brauchte; die Trennung von meinen Kindern gehörte dazu. In dieser Zeit hab ich das Abitur nachgeholt und wurde nach einer schmerzlich lang empfundenen Zeit schließlich wieder mit meinen Kindern vereint. Ein hilfsbereiter fürsorglicher Mann begleitete mich, der so uneigennützig nicht wahr, wie sich nach Erreichen des Ziels zeigte.

Es folgte der Abschnitt, wo ich mich mit meinen Kindern auf eigene Beine stellte, alleinerziehend war und arbeitete, währenddessen ich viel jammerte, dass ein Partner / Vater für die Kinder fehlt. Trotzdem war es ein Anfang in die Selbstständigkeit und das Lernen eigenen Stehens.

Danach (2001) lernte ich, als mein Sohn schon ausgezogen war, meinen jetzigen Mann kennen, bis auch meine Tochter auszog und ich ihm letztes Jahr in die Schweiz folgte.

Dieser Abschnitt geht zu Ende, indem zweifelsfrei deutlich wurde, dass uns der Anspruch an eine erfüllte Partnerschaft miteinander unglücklich macht und eine Trennung daher jetzt nicht nur Sinn macht, sondern auch möglich wird. Die freundschaftliche Basis funktionierte meistens recht gut zwischen uns und es wird sich zeigen, ob wir sie aufrecht erhalten wollen und werden oder ganz neu definieren bzw. aufgeben werden.

Seit Samstag habe ich die Zusage für eine eigene kleine schnucklige Wohnung auf 1. Dezember, wo ich diesmal ganz auf eigenen Beinen stehen lernen werde. Der Job, der aus der Probezeit in ein festes Arbeitsverhältnis überging und wo sich viele anfängliche Schwierigkeiten mittlerweile glätten, so dass ich mich wie in einem familienähnlichen Team aufgehoben und wohl fühle, hilft mir dabei. Die Kollegin, bei der ich am Vorstellungstag gefühlt hatte: „Wenn es nach ihr ginge, würde sie mich nehmen“, hatte mich tatsächlich ausgewählt; der Chef hatte ihr diese Entscheidung überlassen. Als ich letzten Sonntag die neue Wohnung besichtigte und nach zwei anderen Besichtigungen hellauf begeistert war, fühlte es sich an wie: „Wenn es nach der jetzigen Mieterin ginge, würde sie mich als Nachmieterin wählen“ (sie sagte, es wären sehr viele zum Anschauen da gewesen). Es klappte!

So bewahrheitet sich eine astrologische Vorhersage, die mir in Aussicht gestellt hatte, dass der Krebs sein Haus wird verlassen müssen. Dass es derart radikal wird, ahnte ich nicht und das ist gut, es hätte viel zu viel Angst gemacht. Ich konnte das nur portionsweise aushalten und mit meinem Mann nach und nach zum gemeinsamen Entschluss kommen.

Mein Ohrgeräusch ist im übrigen noch nicht ganz weg, aber es gibt immer wieder Phasen, wo es schweigt. Ansonsten ist es auch nicht mehr so stark. Das homöopathische Mittel Cocculus (Globuli in D4) unterstützt mich im laufenden Prozess.

Das Ohrgeräusch kommt mir vor wie eine Alarmglocke, die mir anzeigte, dass es Zeit für größere Veränderungen ist, gegen die ich mich gesperrt hatte und die sich zuerst in mir vollziehen mussten. Das war mir – wie immer – erst möglich, als der Leidensdruck entsprechend groß geworden war.

Es begann mit kurzen Momenten, in denen ich mich fragte, ob ich etwa erst Ruhe bekomme, wenn ich mir eingestehe, dass eine Trennung von meinem Mann jetzt ansteht und das Klügste für uns beide ist und mündete in den definitiven Entschluss und die beginnende Umsetzung der Trennung. Eine gebundene Liebe weicht der Freiheit. Nicht weil wir es jetzt wollten (die Freiheit hätten wir uns längst gewünscht), sondern weil es jetzt reif und möglich wurde.

Ein neuer Lebensabschnitt liegt vor mir wie ein unbegangener Weg.

830 Weg Waldrand 13.10.2012_1.7 MB

Ein Teil (Teile) von mir freut sich drauf. Ein anderer Teil (Teile) hat Sorge oder Angst, aber das gehört auch dazu. Ich gehe weiter, Schritt für Schritt…

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