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Zwei Monate bin ich jetzt im neuen Job.

Die Rückzugs- und Ruhephasen für mich persönlich werden gefühlt immer kürzer, zumal der Chef und seine Frau im Moment in Urlaub sind. Wir anderen halten den Betrieb am Laufen und unterstützen uns gegenseitig, wobei ich noch ziemlich eingeschränkt bin, hauptsächlich auf die Produktion an der Graviermaschine (CAD), was auch meine Hauptaufgabe zu bleiben scheint und womit ich alle Hände voll zu tun habe – nachdem die ruhige Woche vorbei war, in der noch Zeit für ein Abenteuer war.

Wir anderen… Das ist meine Kollegin, die normalerweise nur Vormittags arbeitet und theoretisch alles kann, aber die Maschinen meidet; ihre Hauptaufgabe ist das Büro, der Laden, das Montieren der üblichen vorgefertigten Stempel und das Fertigmachen der Ware für den Versand. Und dann mein Vorgänger P., der aushilfsweise immer noch da ist, wenn die Aufträge das übersteigen, was ich innerhalb meines Pensums leisten kann. P. wurde dieses Jahr 70 und hat über 40 Jahre Erfahrung in dieser Firma. Bleibt noch die Botin, die uns zwei Frauen am Freitag Nachmittag mit Torte verwöhnte.

Für die Kasse und den Laden werde ich frühestens angelernt, wenn ich an der Graviermaschine sattelfest bin. Aber soweit ich höre, sind die Kollegen der Meinung, dass ich relativ schnell gelernt habe und ein bisschen ins kalte Wasser geworfen wurde, was ich aber gar nicht so schlimm fand, es gab meistens jemanden zum Fragen. Das meiste lerne ich dort durch Ausprobieren und im Zweifel wiederholen, bis das Ergebnis passt. Im Moment bin ich dort oft noch am Suchen… Jeweils nach dem passenden Material (vorwiegend Alu und Kunststoff in verschiedenen Dicken und Ausführungen), nach den passenden Dateien, die als Vorlage im Computer gespeichert sind oder auch nach den passenden Daten im Ordner, wo die Liegenschaften alphabetisch abgelegt sind, für den Fall, dass die Daten im PC verloren oder nicht auffindbar sind.

Das meiste beim Gravieren macht mir Spaß, auch wenn die Aufgaben weit über Namensschilder für Briefkasten, Klingel und Wohnungstüren hinausgehen; das sind allerdings nach wie vor meine Lieblinge.

Wir fertigen oft große Sätze industriell genutzter Schilder an. Das bedeutet meistens, dass das Material (überwiegend eloxiertes Alu) relativ dick ist und relativ tief graviert wird. Was wiederum bedeutet, dass ein großer (grober) Fräser Verwendung findet, der viel Material auf einmal raushaut, das macht mehr Lärm als bei feineren Fräsern und das Material spritzt mehr herum. Mein Mann hat mir seine früher hobbymäßig genutzte Schutzbrille vermacht, nachdem er mir mehrmals abends die Metallsplitter aus dem Gesicht nahm und befürchtete, es könnte mal was in meinen Augen landen (die Kollegen sind alle Brillenträger).

Seit einer Woche hab ich eigenartige Ohrengeräusche, die mir zuerst Angst machten, ich könnte sowas wie einen Hörsturz haben oder bekommen. Die Symptome waren aber überhaupt nicht passend dazu. Ich höre nicht plötzlich schlechter, sondern sogar wesentlich genauer und überdeutlich, obwohl gleichzeitig teilweise unangenehme Hall- und Rauschgeräusche vorhanden sind. Ich gehe davon aus, dass es zu den intensiven inneren Prozessen gehört, in denen ich gerade stecke. Trotzdem hab ich vorsichtshalber diese Woche angefangen, in der Arbeit als Schallschutz die Ohrenschützer aufzusetzen, was gut tut, auch wenn davon das eigenartige Hörphänomen nicht weggeht. Ich vermute, es hängt mit einem alten inneren Schutzwall zusammen, der gerade dabei ist sich zu lockern und mich mit intensiven inneren Konflikten konfrontiert, die noch nicht lösbar scheinen. Da streitet sich etwas in mir bis aufs Messer, so dass ich wenig schlafe und beinah in Dauerspannung bin. Aber alles zu seiner Zeit.

Was ich auch sehr gerne fertige sind sogenannte Pultschilder – sie finden Verwendung am Schalter in Krankenhäusern, Arztpraxen, Banken etc. und bekommen eine Filzunterlage – und Namensschilder zum Tragen an der Kleidung, d.h. auf die Rückseite wird ein Metallplättchen geklebt und ein Magnet angebracht.

Laut meiner Kollegin gab es noch nie einen so betriebsamen August vom Arbeitsanfall her. Tatsächlich hatte ich gut zu tun, um jeweils die terminlich dringenden Dinge abzuarbeiten, während sich der Stapel der anderen Aufträge ständig erhöhte. Vergangene Woche konnte ich davon Gott sei Dank einen großen Teil abarbeiten, so dass es wieder übersichtlicher wird.

Zu der Freude an der praktischen Tätigkeit und dem menschlichen Umgang mit den Kollegen haben sich oben erwähnte Herausforderungen gesellt, die mich zwingen, in Bezug auf meine Schwachpunkte zu lernen und zu üben, daran zu wachsen. Das fühlt sich momentan recht haarig an, aber tief eingegrabene alte Muster ändert man in der Regel nicht, wenn man nicht muss.

Insgesamt bin ich immer noch der Meinung, ich bin an diesem Ort richtig, während meine Kollegin sagt, sie hätten Glück gehabt, mich bekommen zu haben. Das ist die Hauptsache.

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