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Obwohl ich noch nie eine Katze hatte, träume ich immer mal wieder davon, dass dies eines Tages vielleicht der Fall sein wird.

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Als ich letztens den Probearbeitstag in der kleinen Stempel- und Schilderfirma in Aarau hatte, saßen wir beim Znüni zusammen am kleinen Tischen vor einer Pinwand, an der viele Katzenbilder hingen. Eine der Angestellten erzählte, die Schwarze rechts oben sei ihre junge Katze, die andere links unten sei ihre langjährige Katze. Nachdem sie davon erzählt hatte, fragte ich: Und wem gehören die anderen? Der Chef meinte trocken: Das sind alles unsere. Bis die Mitarbeiterin mich fragte: Haben sie auch eine Katze? Ich verneinte und erzählte von meinem gehegten Wunsch.

Weil dies nun so ist, guckte ich mir dieser Tage die Einlage des neuesten Landi-Werbeblattes an, wo es um Katzen geht – mit einem Vorwort des CEO Heinz Wälti. Ich ging davon aus, es handelt sich um einen redaktionellen Teil mit Infos für Katzenliebhaber.

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Unter der Überschrift „Kastration: Ja. Übergewicht – nein danke!“ las ich:

[…] Aber auch die kleine Samtpfote wird grösser und Sie werden sich bald mit der Frage auseinandersetzen, ob Sie Ihre Katze kastrieren lassen oder nicht. Wenn Sie später nicht züchten möchten, empfiehlt es sich, alle Katzen zu kastrieren – einen Kater, eine Kätzin, einen Freigänger oder ein reiner Stubentiger.

Hm, dachte ich: … empfiehlt es sich, alle Katzen zu kastrieren …?
Ich sprach meinen Mann auf das Thema an. Er hatte schon einmal zwei zugelaufene Katzen. Er vertrat die Meinung, bei einem Weibchen würde er das tun, damit sie nicht ständig Junge bekommt, vor allem wenn man keine Abnehmer dafür hat. Bei einem Männchen würde er es nicht tun.

Seine Meinung entsprach teilweise meinem inneren Sträuben, dass man alle Katzen grundsätzlich einfach kastrieren sollte?! Aber der Artikel begründete:

Die Kastration einer Katze dient nicht nur der Geburtenkontrolle, sondern bietet sowohl der Katze wie auch dem Besitzer Vorteile:

1. Verhaltensverbesserungen

• Unkastrierte Kater und rollige Kätzinnen markieren ihr Territorium durch intensiv riechenden Urin. Nach der Kastration verschwindet dieses Verhalten im Allgemeinen.

• Das Leben intakter Katzen wird hauptsächlich von ihrem Fortpflanzungsbedürfnis gesteuert und der Mensch spielt darin eine unbedeutende Rolle. Kastrierte Katzen werden zutraulicher, streunen weniger und sind in der Regel auch weniger aggressiv gegenüber anderen Katzen.

Hm, dachte ich, den ersten Punkt verstehe ich noch recht gut, wenn das praktisch wirklich so ist. Aber beim zweiten Punkt… Ich soll eine Katze verstümmeln lassen, damit sie sich mehr an mich bindet? Erschien mir fragwürdig.

Katze 27.03.2013

Weiter im Text…

2. Erhöhte Lebenserwartung

Die Lebenserwartung einer kastrierten Katze ist bis zu fünf Jahre länger als die einer intakten.

Aha, dachte ich, immerhin wird hier eine nicht kastrierte Katze intakt genannt. So sehe ich das grundsätzlich auch. Wenn ich sie verstümmeln lasse, lebt sie länger. Hm…

• Eine kastrierte Katze führt weniger Revierkämpfe durch. Dadurch verringert sich die Verletzungsgefahr (Bisse und Krallenhiebe) im Kampf mit anderen Katzen.

Na ja, das kommt mir vor als ob jemand sagt, ein Kind sollte mit Eintreten der Geschlechtsreife kastriert werden, weil es sich dann weniger mit Artgenossen herumschlägt und gesünder bleibt. Irgendwie pervers, oder?

• Durch den fehlenden Sexualtrieb und somit der Suche nach einem geeigneten Partner streunen kastrierte Katzen weniger und das Risiko von Verkehrsunfällen mindert sich.

Ach so. Wenn man den Nachwuchs frühzeitig kastriert, sucht er nicht nach einem Partner und läuft dabei nicht über gefährliche Straßen. Er verliert dann also nicht frühzeitig sein Leben, hat aber kein Sexualleben. Ich war – meines Wissens 😉 – noch nie ein Tier. Ich mag ja sehr unerfahren in Bezug auf Katzenthemen sein, aber als Mensch kann ich mir so einen Umgang mit anderen Lebewesen erst mal schwer vorstellen.

• Infektionen der Gebärmutter und Tumore des Gesäuges können bei frühkastrierten Kätzinnen deutlich reduziert werden.

Mag ja sein…, aber: Siehe oben. Die Katze stirbt dann nicht an Krebs, hat aber kein Sexualleben. Ob eine Katze das vermisst? Wer vermag es zu sagen? Ich weiß es nicht.

• Der verminderte Kontakt zu anderen Artgenossen reduziert das Übertragungsrisiko ansteckender Krankheiten, z.B. […]

Ach so, meine Katze bleibt dann eh gleich allein, bei mir Zuhause und steckt sich nicht bei Artgenossen mit Krankheiten an. Lebenslange Quarantäne also. Hat der Mensch dazu das Recht?

Nachdem erklärt wurde, wie so eine Kastration praktisch durchgeführt wird, klang alles nach: Ist doch das allerbeste für Mensch und Tier. Viele Gefahren gebannt, Ruhe im Stall und gut ist.

Katze 23.01.2013_785 KB

Aber nun ging es weiter…

Die Sache mit dem Übergewicht

Es ist tatsächlich so, dass kastrierte Katzen eher zu Übergewicht neigen als nicht kastrierte. Grund dafür ist der Wegfall der Sexualhormone, welcher sich verlangsamend auf den Stoffwechsel der Katze auswirkt und u.a. ihr Verhalten ändert: Spontane körperliche Aktivitäten wie Revierverteidigung oder Partnersuche fallen weg.

Aha, was mir erst als Vorteil und Schutz des Tierchens verkauft wurde, stellt sich jetzt so ganz nebenbei als weitreichender heraus: Das Tier wird dazu neigen, zu verfetten.

Übergewicht erhöht die Wahrscheinlichkeit anderer gesundheitlicher Probleme: Das Risiko an Diabetes mellitus zu erkranken erhöht sich, Probleme mit dem Bewegungsapparat treten häufiger auf und die Bildung von Harnsteinen wird öfter beobachtet.

Sauber. Meine Katze würde also weniger Revierkämpfe haben, sich weniger bei anderen Katzen anstecken, mehr Zeit hübsch im Häuschen zubringen, dafür halt vielleicht andere Krankheiten bekommen (die dann aber als Menschen-gemacht angesehen werden müssen!?!). Hierfür wird aber die Lösung gleich mitgeliefert…

Übergewicht – Vorbeugen mit dem richtigen Futter

So, so, da soll ich also erst über Glück oder Unglück meiner Katze entscheiden, obwohl ich keine Ahnung habe, ob eine Katze ohne Partner glücklich ist. Zumindest hat man mir in diesem Artikel nun eingeredet, dass es für alle das beste wäre so.

Damit sie aber nun nicht verfettet, nicht zuckerkrank wird oder andere Leiden entwickelt, brauche ich nur das richtige Futter, das man mir jetzt verkaufen möchte.

An diesem Punkt fühlte ich mich etwas an der Nase herum geführt und dachte: Das ist doch wieder mal die typische Tour von Manipulation. Nur nicht selbst denken, nicht selbst fühlen, mir von „Fachleuten“ sagen lassen was richtig ist und dann ihr Futter kaufen.

Der nachfolgende Artikel handelte dann auch gleich von dem gesunden Futter für gesunde Katzen und Hunde! Aha…

Hund weiß Westpark 08.05.2012

Geht es uns Menschen nicht ganz ähnlich? Man erzählt uns in der Werbung, welche Ernährung für uns lecker und praktisch ist, weil wir eh so wenig Zeit zum Kochen haben – und möchte uns damit auf industriell vorgefertigte Nahrung einschwören, die wir uns zu deren Vorgaben kaufen sollen.

Wenn ich dann mit Rheuma, Arthrose und was weiß ich nicht zum Arzt komme und er wagt zu sagen, ich sollte mit einer Ernährungsumstellung anfangen, vielleicht die zur zweiten Natur gewordenen Glimmstengel weglassen, mit dem geliebten Kaffee zurück fahren, der mich im üblichen Tempo auf Trab hält – und weniger Alk trinken, dann wird Herr oder Frau Otto-Normalverbraucher böse und verwehrt sich gegen derlei Einmischung in die privaten Lebensgewohnheiten. Das geht den Doc doch nun wirklich nix an!?! Er soll mir helfen, mich heilen, der Rest ist meine Sache.

Verkehrte Welt – oder? Wo hört die Information auf und wo fängt die Manipulation an? Es geht oft fließend ineinander.

~ ~ ~

Siehe auch So funktioniert Meinungsbildung
oder
Meaauu…, Katzen II, Katze

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