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Fremdenfeindlichkeit gibt es leider an vielen Orten und aus meiner Sicht stecken meistens Projektionen eigener Probleme dahinter. Beispiel: Ich suche in meiner Stadt eine bezahlbare Wohnung und es klappt vorerst nicht; ich beginne nun auf Ausländer zu schimpfen, die uns die bezahlbaren Wohnungen wegnehmen (weil halt irgendwer der Sündenbock sein muss).

Das mit den Deutschen in der Schweiz ist noch mal ein eigenes Kapitel. Hierzu gabs gestern einen aktuellen Artikel: Kein Wunder, mag man die Deutschen nicht

Alpenblick 31.01.2013

Meine persönlichen Erfahrungen bisher:

Als Süddeutsche mit bayerischem Dialekt habe ich es leichter gegenüber Deutschen mit hochdeutscher Aussprache. Ich spreche hier sogar häufiger bayerisch als in München. Dialekte gibt es in der Schweiz verschiedene, daher liegt die Mundart – egal welche – den Schweizern tendenziell näher als hocheutsch.

Auf einer Internetseite habe ich letztes Jahr gelesen, das hätte auch damit zu tun, dass Schweizer nur als Kinder in der Schule schriftdeutsch sprechen mussten und daher bei manchen die Tendenz besteht, sich von oben herab behandelt zu fühlen (Erinnerung an die „höher stehnden“ Lehrer), wenn sie von Fremden in hochdeutsch angesprochen werden. Das hat natürlich auch etwas mit der Stabilität des eigenen Selbstwerts zu tun und die unterschiedliche Mentalität kommt dazu.

Die unterschiedliche Mentalität der Schweizer gegenüber den Deutschen gilt es zu verstehen und darauf einzugehen. Das sollte als Gast in einem Land selbstverständlich sein.

Zu direktes forsches Auftreten kommt nicht so gut. Wenn ich einen Unbekannten etwas fragen möchte, kommt es gut mich einzuleiten mit einem ruhigen: Kann ich sie etwas fragen? – um erst mal den Kontakt herzustellen.

Wenn ich im Restaurant etwas bestelle, kommt das bei manchen Deutschen übliche: Ich bekomme… oder Ich kriege… hier recht seltsam und wird eher ablehnend registriert. Dann doch eher: Ich hätte gerne… oder Könnte ich … haben.

Da Schweizer zu ausgeprägter Diskretion und anfangs kühlen Distanz neigen, braucht es teils mehr Geduld, bis man ihnen näher kommen kann. Begegnen sie einem freundlich, muss das noch nicht heißen, dass sie einen mögen. Was sie sich wirklich denken, tragen sie nicht so schnell auf der Zunge.

In Stellenangeboten lese ich neuerdings häufiger, dass der Bewerber nicht nur akzentfrei schweizerdeutsch sprechen sollte, sondern schweizer Nationalität sein sollte.
Eine Freundin aus München meinte letztens dazu, das sei Diskriminierung und wäre in Deutschland überhaupt nicht erlaubt. So habe ich mich an die entsprechenden Richtlinien für Stellenanzeigen während meiner Zeit bei der Süddeutschen Zeitung erinnert. In der Tat muss eine Stellenanzeige in D aufgrund Gleichbehandlungsgrundsatz neutral formuliert werden (männliche und weibliche Form!), es darf keine Personengruppe (wegen Alter oder sonstigem) ausgeschlossen werden; andernfalls müssen die Auftraggeber von Anzeigen mit Abmahnungen rechnen.
Nun, angenehm ist es nicht, immer häufiger zu lesen, dass ich in manchen Firmen als Deutsche gar nicht erwünscht wäre. Andererseits finde ich es ehrlicher und direkter, gleich in der Stellenanzeige zu lesen, was gewünscht wird und was nicht, auch in Bezug auf Altersbeschränkungen etc., als sich die Mühe mit einer Bewerbung zu machen und damit ins Leere zu laufen, weil gar keine reale Chance besteht, dass die Bewerbung berücksichtigt wird.

Emmi Autobahn 21.09.2012

Als Ausländer in einem neuen Land Fuß zu fassen braucht immer Zeit und Geduld. Als Deutsche habe ich es damit in der Schweiz aber leichter als Personen mit ganz anderem kulturellen Hintergrund.

Wäre ich nur in die Schweiz gekommen mit dem Motiv, hier gutes Geld zu verdienen und besser zu leben als in D, während wichtige Freunde und Angehörige in Deutschland verblieben sind, könnte ich mir vorstellen, früher oder später doch wieder in meine Heimat nach D zurück zu wollen.

Meine Voraussetzungen für einen Umzug hierher sind ja nochmal andere. Ich kam, weil mein Mann hier Zuhause ist und es ihn wieder in die Heimat gezogen hat. Vorher hat er bei mir in München gelebt, weil ich wegen meiner Kinder noch nicht frei war in die Schweiz zu kommen. Meine Kinder, deren Vater er nicht ist, sind inzwischen selbstständig, so dass ich es wagen konnte. Ich bin grundsätzlich und tendenziell jemand, der schwierige Zeiten aussitzen kann. Insofern habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es früher oder später klappen wird, mich hier auch in den Bereichen zu integrieren, wo es noch aussteht.

Insgesamt fühle ich mich hier angenehmer aufgenommen als ich es von Ausländern in Deutschland erlebt habe.

Brücke 28.09.2012

Ich erlebe die Schweizer selbst in dem Thema gespalten. Die einen rollen mit den Augen und meinen, die Schweizer sind da wirklich etwas komisch. Die anderen sehen ihre Abneigung gegen die Überzahl der Deutschen und ihre andere Art als gerechtfertigt. Wie immer wird es irgendwo in der Mitte liegen. Es ist ein Lernprozess auf beiden Seiten. Aber meine persönlichen positiven Erfahrungen überwiegen bei weitem die tendenziell subtil vorhandenen negativen.

Siehe auch Jobabsage, weiter unten im Beitrag wegen des Themas einer Selbsthilfegruppe für Deutsche im Aargau
und Gränichen in Zahlen wegen der Ausländerdichte und -verteilung auf die Nationalitäten

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