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Dank eurer Kommentare und zwei Tagen Zeit nach meinem Artikel Persönliches erzähle ich euch heute von meinen Gedanken seitdem.

Baum Westpark 29.05.2009

Die Möglichkeit der Verwendung eines Passwortes liegt mir persönlich nicht. Ich bin zwei Mal auf Blogs, die ich beobachtet habe, damit konfrontiert gewesen und beide Male hat es ein schales Gefühl gegeben. Wenn an einem Tag mehrere Beiträge veröffentlicht werden, die einen öffentlich, die anderen Passwort-geschützt und man mit der Person vielleicht außerdem am Diskutieren über ein Thema ist, die Überschrift des Passwort-geschützten Beitrags noch vermuten lässt, dass das Thema dort fortgeführt wird, man selbst aber keinen Zugang dazu hat, dann fühlte ich mich jedenfalls ausgesperrt und außen vor gelassen. Da verlor ich auch früher oder später die Lust am persönlichen Kommentieren.

Da ich bei den Zeugen Jehovas von der Praktik des Ausschlusses aus der Gemeinschaft betroffen war und bin, passiv und aktiv, hab ich eine natürliche Abneigung dagegen entwickelt. Sie schließen jemanden aus und sich selbst ein. So stand ich stets auf dem Standpunkt: Ich habe nichts zu verbergen. Und versuchte stets so zu leben, dass das auch so bleibt.

Als ich vor vielen Jahren Briefkontakt mit einem Häftling hatte, ließ er mich wissen, wenn ich die Absicht hätte, auch mit anderen Gefängnisinsassen zu schreiben, so würde er mir auf jeden Fall die Verwendung eines Postfachs empfehlen, sonst müsste ich damit rechnen, wenn diese freikommen, dass sie eines Tages vor meiner Tür stehen. Das führte immerhin dazu, dass ich mein Interesse an entsprechenden Briefkontakten nicht weiter ausdehnte. Da ging es auch noch um die Verantwortung für meine beiden Kinder, die häufig allein daheim waren, wenn ich in der Arbeit war.

Astilbe Westpark 10.06.2012

Ich halte es bis heute nicht für besonders gefährlich, in einem Impressum mit Echtnamen und Adresse zu erscheinen, wenn ich zu dem, was ich im Internet veröffentliche, stehen kann. Wenn es eine Website mit gewerblichem Angebot ist, handelt es sich ohnehin um eine gesetzliche Pflicht, soweit ich weiß. Im Blog hatte ich es auch mal vorübergehend und ich kann nicht sagen, dass daraus irgendein Schaden erwachsen ist – im Gegenteil. Ihr erinnert euch vielleicht an den Beitrag Unerwartete Geschenke. Ohne die Veröffentlichung meines Realnamens hätte ich die eine Erfahrung nicht gemacht.

Bis heute ärgere ich mich über Internetseiten und Blogs, wo ich nicht mal ansatzweise herausfinden kann, wer hinter dem Geschriebenen steht, wo nur mit Fantasienamen und anonym agiert wird. Das gibt mir das Gefühl, die Person möchte nicht (be-) greifbar sein. Und ich frage mich dann, warum?

Nun fühle ich mich inzwischen aber doch auch manchmal verletzbar und bin vorsichtiger, sonst hätte ich den ersten Beitrag dazu nicht geschrieben.

Esche Westpark 10.07.2012

Mir gehts allerdings wie Kirstin: Der eigentliche Reiz am Bloggen ist für mich das Persönliche. Und die Möglichkeit des Lernens durch persönliche Erfahrungen, anderer und meiner und dem Austausch darüber.

Du hast recht Franka: … ‘die ganze Welt’ liest mit, manche auch nur voyeuristisch ohne sich jemals zu äußern und nicht jeder ist so, wie er zu sein vorgibt. Und doch ist das nur die eine Seite der Medaille.

Auch ich lese bei anderen mit, manchmal ohne mich zu äußern und persönlich einzulassen, demnach auch voyeuristisch, wie man mir vorhalten könnte. Trotzdem gilt für mich immer noch der Satz:

Wer schreibt, der bleibt.

Was ich gelesen habe und mich berührt hat, bleibt haften, ob ich das Gelesene nun kommentiert habe oder nicht. Was ein anderer bei mir gelesen und ihn berührt hat, bleibt vielleicht für länger oder er erinnert sich irgendwann wieder daran, auch wenn er keinen Kommentar dazu abgegeben hat und ich nichts davon weiß, was meine Worte in ihm hervorgerufen haben.

Brücke Westpark 10.06.2012

Das gehört für mich zum Medium Internet und das halte ich auch für legitim.

Was könnte jemand mit persönlichen Details über mich anfangen, sofern ich eins zu eins zu dem stehe, was und wie ich lebe? Inwiefern könnte jemand persönliche Details über mich je gegen mich verwenden, wenn ich authentisch bin? Auseinandersetzung und Meinungen austauschen gehört für mich dazu und ich schreibe meinen Blog nicht lediglich für Abnicker und Jasager.

Natürlich geht es nicht in erster Linie um die Menge der Leser, mir geht es um die Qualität des Interesses von Mitlesern. Wenn jemand meinen Blog abonniert, weil er sich persönlich angesprochen und berührt fühlt (wenn auch nicht von jedem Beitrag, das kann ja auch gar nicht sein), dann habe ich aus meiner Sicht etwas richtig gemacht. Ich möchte berühren und ich möchte mich – im Idealfall – von den Kommentaren oder anderen Blogs auch selbst berühren lassen. So gesehen halte ich neue Abonnenten auch für ein Qualitätsmerkmal.

Und dennoch… Wäre es so einfach und hätte ich nicht einen inneren Konflikt zum Thema empfunden, wäre der erste Beitrag darüber nicht entstanden.

Eiche 10.07.2012

Um deine Frage, Meike, zu beantworten: Ja, es gibt Mitleser auf diesem Blog, die mich im Realleben kennen. Mein Mann, mein Sohn, mein Vater, eine Freundin. Aber auch andere, von denen ich es nicht genau weiß, weil sie nicht regelmäßig mitlesen, d.h. keine Abonnenten sind. Ich sehe das auch am Suchbegriff „tausendundeineblume“, über den jemand oder mehrere immer wieder über Suchmaschinen nachsehen, was sie gerade von mir finden.

Und eben: Das macht es nicht immer leichter. Ist lediglich eine Herausforderung für mich, bei meinem Anspruch zu bleiben, möglichst authentisch zu sein. Da mein Mann manchmal auch mein schärfster Kritiker ist und sein kann, weil er mich sehr gut kennt, höre ich es dort meist rasch, wenn etwas nicht (überein) stimmt.

Manchmal kann ich mit jemandem aber auch ganz schnell in einem Gespräch an etwas ohne lange Vorrede anknüpfen, weil ich darüber geschrieben und die Person es gelesen hat. Das ist ein Vorteil.

(Übrigens: Schön, dass du über den Sonnenschein selig bist, das gönn ich dir von Herzen! Bei uns lässt sie sich gestern und heute leider nicht blicken. Aber das kommt auch noch.)

Baum Weg Engl. Garten München 09.05.2009

So – nach dieser Vorrede und verschiedenen Seiten der Angelegenheit lässt sich nun vielleicht ganz gut verstehen, warum Magdalena kommentierte: Ich bewundere jeden, der im Internet schutzlos seine Seele offenlegt. Viele von uns würden ganz gerne so offen sein. Und das bringt mich wieder zu der Frage: WAS kann mir jemand antun, WIE kann mir jemand wirklich schaden, nur weil er persönliche Details von mir liest oder kennt?

Spätestens wenn wir telepathisch kommunizieren – so dieser Tag auf Erden je kommt – liegt eh alles offen und frei. Dann ist kein Versteckspiel möglich und auch nicht nötig. Weil nicht bewertet werden muss, weil jeder so sein darf wie er ist, weil sich niemand verstellen oder eine Rolle spielen muss. Weil in der Offenheit der Herzen in diesen gelesen werden kann, ohne Angst vor Verletzung. Aber dahin ist es noch ein weiter Weg.

Efeu 14.05.2012

Ich entscheide für mich persönlich: Ich werde keinen Passwort-Schutz einführen. Ich werde auch keinen zweiten Blog beginnen, um dort anonym oder Passwort-geschützt zu schreiben.

Ich werde weiter so schreiben, wie ich es jeweils gerade kann. Manchmal sehr offen und persönlich, manchmal vielleicht distanzierter und allgemeiner, um meinem Bedürfnis nach Schutz gerecht zu werden.

Und manches werde ich auch künftig nicht im Internet preisgeben und preisgeben können, weil es zu intim und persönlich ist. Das werde ich auch künftig im persönlichen vertrauten Bereich belassen oder mit mir selbst abmachen.

Eingang Chinagarten Westpark 10.07.2012

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