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Als wir am Donnerstag einen Spaziergang durch den Wald machten und hinten heraus kamen, etwa an der Stelle

Gränichen Weg 31.01.2013_739 KB

mit weitem Blick über Gränichen und die Landschaft

Gränichen Blick in den Jura 31.01.2013_711 KB

Gränichen Landschaft 31.01.2013_710 KB

kam uns ein älterer Herr in Arbeitskleidung (wie früher) und Schubkarre entgegen.

Er sprach uns an, ob wir den Frühling bringen, weil nach einem Graupelschauer gerade die Sonne heraus gekommen war. So kam es zum Gespräch, in dem er vieles zu erzählen wusste und für mich – auf diesem schönen Aussichtsplatz – ein Fenster in eine andere Zeit aufging.

Er sprach darüber, dass er ganz froh ist, wenn hier oben Leute herumlaufen, weil das die Füchse von seinen Schafen abhalte, die er in der warmen Jahreszeit auf diesen Wiesen vor uns grasen lasse. So erzählte er von seinen Tieren und mich berührte sein Sachverstand und seine liebevolle Nähe dazu.

Einmal hätte eins von den weiblichen Schafen täglich, wenn er sie abends in den Stall zurück brachte, geschrien und er hatte überlegt warum, sie könne doch nicht zu wenig zum Fressen gefunden haben, das Futter stand fett auf der Weide. Bis ihm auffiel, dass sie dabei immer nach oben guckte zu der nächsten Hügelspitze, wo ein kleines Stück Land baumbestanden ist. Also ging er dort hinauf und fand das Junge der Schäfin dort oben tot liegen, von einem Fuchs gerissen. Der Fuchs muss bei seinem Tun gestört worden sein und hatte es einfach liegen gelassen.

Schaf Gränichen 21.09.2012

Er erzählte, wenn eine Füchsin in Lenzburg (etwa 6 km Luftlinie) ihr Bellen verlauten lasse und es herrscht Bise, dann könne das ein Fuchs im Gränicher Wald durchaus hören und sich dorthin auf den Weg machen. Eine herzberührende Vorstellung.

Als er hörte, aus welchem Dorf mein Mann kommt (hinter dem nächsten Hügel), sagte er, diese Dorfbewohner seien auf die Gränicher früher gar nicht gut zu sprechen gewesen und umgekehrt.

Er habe als junger Mann mal eine junge Frau von dort kennen gelernt und sie besucht. Dabei hätten sich ihm vier Burschen des dortigen Dorfes in den Weg und ihn zur Rede gestellt. Sie haben ihm gedroht, dass sie ihnen gehöre und er nicht wieder zu kommen brauche. Bei seinem zweiten Besuch mit dem Radl hatten sie ihm einen dicken Baumstamm in den Weg gelegt, den er gerade noch rechtzeitig gesehen hat, um nicht übel zu stürzen.

Später habe er sich mit ihr und noch weiteren Leuten zu einem Hundetreffen verabredet. Da die vier Jungs davon gehört hatten, dass er kommt, waren sie wieder zur Stelle. Er konnte denen mit seinem gut folgenden Schäferhund, den er auf sie hätte hetzen können, etwas Angst einjagen. Die Drohung blieb, er habe nichts in der Nähe dieser jungen Frau zu suchen. Sie wüssten zwar noch nicht, welchem von ihnen sie gehöre, aber es sei ihre.

Irgendwann hat er aufgegeben und ihr gesagt, dass das keinen Sinn mache. Er schien nicht gerade unglücklich dabei geworden zu sein.

Das waren raue Sitten und während wir über das Land schauten, stieg vor mir diese andere Zeit auf und der Mann, der sie erlebt hatte, stand vor mir. So lang ist das alles noch gar nicht her, als es so anders zuging, als wir das jetzt gewöhnt sind.

Verzierung

Etwas später musste ich wieder an den Ausspruch des Gränicher Gemeindeammanns (entspricht dem deutschen Bürgermeister) wegen der geplanten Asylunterkunft denken:

Die Asylsuchenden sind unterbeschäftigt. Wir haben einen schönen Dorfplatz, dort sind unsere schönen Frauen. Das gibt Probleme.

So antiquiert und haarsträubend mir das zunächst erschienen war… Vor dem Hintergrund einer Zeit, wie sie jener ältere Gränicher durch seine Erzählungen vor mir hat erstehen lassen, kam mir das auf einmal gar nicht mehr sooo abstrus vor.

Die Zeiten haben sich geändert, na klar. Aber hier auf dem Land braucht manche Veränderung in den Köpfen vielleicht noch ein bisschen länger als woanders. Traditionelles hält sich hier einfach länger, könnte ich mir vorstellen.

Trotzdem bin ich gern hier und fühle mich am richtigen Ort. Ich bin im Herzen verbunden mit dieser Gegend. Und dankbar für diese Begegnung, die meinen Blick auf die Region in einem erweiterten Licht gezeigt hat.

Himmel 23.09.2012

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