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Als ich kürzlich nach einem Ausdruck für meinen Seinszustand suchte, fielen mir zuerst ergreifende Bilder von Abendstimmungen ein. Dann war dazu ziemlich spontan der Begriff der Himmels-Serenade in mir aufgetaucht und ich guckte erst mal nach, wofür das Wort Serenade genau steht. Wie passend! Das hatte ich mir so nicht ausgedacht, es war einfach aufgetaucht. Dann purzelten die Worte dazu aus mir heraus, die meinen Stimmungszustand ausdrückten.

Während dessen war ich am Lesen des Romans von Iris Hanika „Das Eigentliche“, der die unglückliche Grund-Lebens-Stimmung des Protagonisten sehr deutlich zeichnet und gerade mit meinem Befinden korrespondierte. In diesem Roman fand ich einen mir bisher unbekannten Begriff eines bestimmten sich so Fühlens: Acedia.

MICHAEL THEUNISSEN: VORENTWÜRFE VON MODERNE. Antike Melancholie und die Acedia des Mittelalters. – Berlin, New York: Walter de Gruyter 1996:

[…] über Thomas von Aquino: De acedia

[…] 28f.:: Die Acedia selbst versteht sich so, daß ihr die Freude an Gott abhanden gekommen ist, als eine Gotteserfahrung im Modus der Negation.

(Zitat aus dem o.g. Buch, Seite 96 und 97)

Erst ein paar Tage später, als ich das Buch schon ausgelesen und mich über den völlig offenen – für mich in dem Moment nichtssagenden und damit im Leeren stehen gelassen fühlenden – Schluss geärgert hatte, wurde mir bewusst, dass mein quälendes Gefühl, ausgedrückt durch das Gedicht der Himmels-Serenade, zu tun hatte mit dem in jenem Moment tief empfundenen nicht mehr glauben und hoffen können.

Dunkle Wolken 06.11.2012_1.7 MB

Obwohl in den aus mir fließenden Worten des Gedichts bereits der Zauber göttlicher Essenz mit drin lag, wie Meike mich mit so kurzen aber treffenden liebevollen Worten in ihrem Kommentar aufmerksam gemacht hatte. Und auch C.H. drückte aus, dass der Sonnenuntergang ein Bild für Hoffnung ist, der den Sonnenaufgang schon mit beinhaltet, was mir ein tröstlicher Gedanke war. Nur war mir in dem Moment beides nicht möglich zu spüren.

Nicht lange danach fing in mir ein Lied an zu spielen und es dauerte einen weiteren Tag, bis ich wahrnahm und nach innen horchte, mich nach Titel und Text fragte. Es ist ein Lied, das ich als Kind zuletzt gehört hatte, die Himmelblaue Serenade von Christa Williams & Jo Rolando…

Die Melodie fühlte sich kindlich fröhlich, heiter in mir an. Als ich mir jetzt den Text dazu ansah, merkte ich, dass die Sehnsucht des Liebenden nach dem erhört werden drin liegt und gleichzeitig die leise Gewissheit, dass die Begehrte ihn nicht erhören wird (Unglaube). Dennoch ist da diese vorsichtige Fröhlichkeit wie eine Vorahnung, dass es gut werden wird.

Rötliche Wolke 02.01.2012_652 KB

Und wo ist jetzt der Zusammenhang und was möchte ich mit all dem überhaupt ausdrücken?

Nun, ich stecke noch mitten drin. Aber es sieht danach aus, dass es u.a. um einen inneren Saboteur geht, der sich gestern überdeutlich zeigte durch einen Tag, wo schief ging, was nur schief gehen kann (grob misslungener Zahnarztbesuch, woraus ein Versicherungsfall wird, so dass der entstandene Schaden wenigstens finanziell größtenteils ersetzt werden wird, eingezogene Kreditkarte am Automaten, eine zweite gesperrt, dies ließ sich immerhin am Nachmittag in Wohlgefallen auflösen). Der Saboteur zeigte sich in der vergangenen Nacht und, wodurch er einmal entstanden ist.

Noch sehe ich nicht alle Zusammenhänge klar, auch nicht den Ausgang. Es sieht aber danach aus, als würde sich alles zum Glück im Unglück wenden.

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Halleluja sag ich dann!

Siehe auch Innerer Saboteur im „Traum“

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