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Was in Deutschland das Arbeitsamt oder inzwischen wohl die Arbeitsagentur, ist in der Schweiz das Regionale ArbeitsVermittlungszentrum, kurz RAV. Nachdem ich seit August in der Stellensuche hier erfolglos war, war ich heute mal auf dem zuständigen RAV in Suhr, mich anmelden. Ich gehe davon aus, dass mir keinerlei Geldleistungen zustehen, es ging mir um die Möglichkeit der Beratung und Vermittlung.

Wie überall, gilt es einer gewissen Bürokratie zu folgen. Zuerst braucht man von der Gemeinde, wo man wohnt, ein Papier zur Arbeitsvermittlung, worauf bestätigt wird, dass man in dieser Gemeinde wohnhaft ist. Dieses Papier hat ein Datum (bei mir 07.11., normalerweise soll es der frühestmögliche Tag sein, an dem man weiß, dass man arbeitslos werden wird) und normalerweise muss man sich spätestens am folgenden Werktag beim RAV damit anmelden gehen, um Verzögerungen oder Kürzungen in den normalerweise zu erwartenden Arbeitslosenzuwendungen zu vermeiden.

Da ich in der Schweiz noch nicht die Entsprechung der deutschen Sozialversicherungsnummer – hier AHV-Nummer – hatte, wurde die am 07.11. erst mal beantragt. Es hieß vom RAV, den AHV-Ausweis muss ich zur Anmeldung mitbringen. Er kam gestern per Post, also bin ich heute zum RAV zur Anmeldung.

Mit der Folge, dass ich auf einem Papier erläutern darf, warum ich vom 07.11. bis heute gewartet habe, bis ich mich angemeldet hab. Um eventuell abzuwenden, dass mir vom 07.11. bis heute Leistungen gestrichen werden, die ich ohnehin nicht erwarte.

Nun hab ich bei der zuständigen Dame, die alles aufgenommen hat, gleich gesagt, dass ich keinen Anspruch auf Leistungen habe, worauf sie sehr neutral meinte: Das entscheidet die Kasse. Wir haben bilaterale Verträge (mit Deutschland, was normalerweise bedeutet, dass Ansprüche, die ich in D hätte, unter bestimmten Voraussetzungen hier ausgezahlt werden können). Sie stellen einen Antrag mit den erforderlichen Unterlagen und die Kasse entscheidet dann.

Mein Mann, der 2005 übrigens den umgekehrten Weg nach München gegangen ist und zunächst für ein paar Wochen in München einen Job gehabt hatte, sich dann arbeitslos meldete, bekam im Verlauf des Jahres 2005 einen Bescheid vom Münchner Arbeitsamt, sein Antrag auf Arbeitslosengeld werde abgelehnt aufgrund Formfehlers (er hätte ein bestimmtes Formblatt aus der Schweiz mitbringen müssen). Typisch deutsch eben.

Na gut, stelle ich hier also jetzt einfach mal den Antrag. Obwohl ich ziemlich sicher bin, dass es da nix gibt: Letzter Job in München endete 2009. Hab mich dann nicht arbeitslos gemeldet, denn ich suchte keinen Job und war durch die Abfindung erst mal flüssig, machte Seminare für energetisches Heilen etc. und hatte vor, mich damit selbstständig zu machen.

Ich hab auch nicht freiwillig weiter in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Wenn man ein Jahr auf diese Art verstreichen lässt – so hatte ich gelesen – ist man raus. Nun denn, lassen wir die hiesige Kasse entscheiden ;). Vielleicht wollen die auch was zu tun haben. Vielleicht möchten sie auch einfach Daten für eine Statistik, keine Ahnung.

So darf ich dann gleich morgen auch nach Aarau zu einer 2-stündigen Infoveranstaltung, wo ich bestimmte Fragen stellen kann, die ich hätte. Mal sehen was das ist.

Am 7. Dezember habe ich dann den Termin mit meiner persönlichen Betreuerin beim RAV, die sich voraussichtlich etwa 1 Std. Zeit nimmt um sich anzugucken, was ich bisher gemacht hab usw. Bei der Aufnahme der Daten heute stellte sich schon mal raus, dass es meinen Ausbildungsberuf Rechtsanwalts-Gehilfin hier so nicht gibt.

Bis zum Beratungstermin soll ich verschiedene Unterlagen zurecht machen und mitbringen. U.a. ein ausgefülltes Blatt, welche Anstrengungen ich bisher zur Jobsuche unternommen habe, mit Kopien von Bewerbungsschreiben und Absagen. Da ich das meiste davon vernichtet hab, wird es da nicht mehr viel vorzuzeigen geben. Aber eben, da würde es darum gehen, dass ich Geldleistungen erhalte, wovon ich nicht ausgehe.

Auf jeden Fall positiv – deshalb möchte ich es nicht unerwähnt lassen – ist der Unterschied von deutschen Ämtern zu dem, was ich heute erlebte.

In Deutschland kenne ich Ämter mehrheitlich so, dass einem nahezu feindlich begegnet wird. Sehr beliebt ist, etwas zu finden, womit man der bittstellenden Person (als nichts anderes wird man gesehen) einen Vorwurf machen kann, was sie falsch gemacht hat in ihrer Situation, wo sie sich nicht an irgendwelche Regeln gehalten hat und gerne wird dann auch gleich gedroht, welche Folgen das haben kann, wenn man nicht künftig… Damit man gleich mal weiß, wo der Hammer hängt und künftig spurt.

Nun habe ich schon gelesen, dass ein Hauptunterschied der Arbeitswelt von Deutschland und der Schweiz der ist, dass die Schweizer keinen Kadavergehorsam kennen, der in Deutschland verbreitet ist. Entsprechend ungewohnt erlebte ich die zuständigen Leute auf dem Amt heute: Freundlich, kompetent, sachlich, Fragen klar beantwortend, so wie es ihr Job ist eben. Sehr angenehm!

Es hat eine Weile gedauert, bis ich dahinter gekommen bin, warum ich vor dem Schreibtisch der aufnehmenden Dame heute trotzdem innerlich zum hilflosen Kind geworden bin und nur mit Mühe Tränen zurückhalten konnte.

Auf die eine Weise ist der heutige Gang ein Eingeständnis des eigenen Versagens, zumindest gefühlt. Das fällt schwer. Andererseits ist es die Angst, dass mir vorgehalten wird, ich sei selbst Schuld an dem Zustand; ich hätte dies und das unterlassen, das unbedingt nötig gewesen wäre, um zu verhindern, daher zu kommen.

So gesehen ist der Weg, den ich da jetzt gehe, auch eine Chance zur Heilung alter Verletzungen, indem er mich erst mal in Kontakt damit bringt. Wenn ich jetzt ganz normal als Mensch behandelt werde und vielleicht erfahre, dass ich auch jederzeit wieder sagen darf: Vielen Dank für ihre Beratung, ab hier gehe ich den Weg wieder selbst weiter… Dann bin ich freier als vorher, wo ich unter allen Umständen verhindern wollte, in diese Mühle zu geraten und Kadavergehorsam-like zum Bittsteller werden zu müssen, den man schikanieren kann.

Das Leben führt mich auf unbekannten Wegen weiter, aber ich bin sicher, dass es weiß was es tut :), das ist immerhin schon eine ganze Menge und ich bin dankbar dafür, das jetzt so wahrnehmen zu können.

Heute Vormittag hab ich mir übrigens das frei downloadbare E-Book von Lea Hamann herunter geladen und damit „gearbeitet“. Sehr interessant, welche Einsichten mir dabei über mich selbst gekommen sind. Sehr interessant auch das Bild meiner eigenen inneren Landschaft für den Moment, das da entstanden ist und ich malte. Hat sich heilsam und hoffnungsfroh angefühlt. Danke Lea! Wer Lust drauf hat, klickt hier…

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