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Heute Morgen erwachte ich aus einem Katzentraum. Und hab mir soeben im traumdeuter angeguckt, was das mit mir zu tun hat? Ja, alles klar. Es geht drum, wie ich „anschmiegsam und weich“ zusammen mit „unabhängig und selbstständig“ unter einen Hut bekomme, d.h. sowohl als auch in meine Persönlichkeit integriere. Damit hab ich noch so meine Schwierigkeiten. Guter Traum! Wobei es sicher lohnen wird, mir auch noch den Archetyp Katze anzusehen, aber das führt jetzt hier zu weit.

Jedenfalls waren mir unmittelbar nach dem Aufwachen Gefühle präsent, zu denen sich – als ich Worte für die Gefühle suchte – ein Bild gesellte. Es war das Bild von einem Laib Käse, der zu seiner Reifung in einem dafür vorgesehenen Fach liegt, hin und wieder heraus genommen, befeuchtet, umgedreht wird und dann weiter lagert, um zu voller Reife und seiner bestmöglichen Qualität zu gelangen. Wenn man ihn lange genug reifen lässt.

Manchmal fühle ich mich – auch heute Morgen – wie so ein Laib Käse und möchte einfach in Ruhe gelassen werden, damit die Dinge in mir vor sich hin reifen und gut werden können. Dass ich das, was ich während dieser Reifung erlebe, manchmal öffentlich teile, hat teils den Effekt, dass sich andere Menschen angezogen fühlen. Und es ist ja auch eins meiner Motive, dass vielleicht anderen damit gedient ist, sich in Beschreibungen wiederzufinden, nachzudenken, wenn sie mögen in den offenen Austausch zu treten oder auch still für sich zu bleiben, aber dass Erkenntnisgewinn möglich wird. Soweit, so gut.

Hin und wieder ergibt sich ein privater Mailaustausch, weil nicht jeder seine eigene Lebenssituation öffentlich im Netz ausbreiten möchte. Ich lade manchmal dazu ein, weil ich neugierig bin, wissen möchte: Was andere denken, was sie erleben und wie sie leben. Ja und dann geschieht es manchmal, dass mir jemand vertrauensvoll sein Herz zu Füßen legt und quasi seine Lebensgeschichte präsentiert. Ich bin immer interessierter Leser von solchen, jedoch dann sehe ich mich teils zu ausführlicher Antwort genötigt. Solche Lebens- und oft auch Leidensgeschichten wollen gewürdigt werden, ist mein Gedanke, das kann ich doch nicht einfach so unkommentiert im Raum stehen lassen?! Und dann frage ich mich, wie ich aus der Nummer wieder raus komme, ohne die Person schmerzhaft zurückzuweisen, zu verletzen, auflaufen zu lassen.

Wie entsteht solche Interaktion überhaupt und wie kann ich verhindern, dann jemanden vor den Kopf zu stoßen? – fragte ich mich heute Morgen. Dabei ging mir durch den Kopf, was den Unterschied für mich macht, wann mir so ein Austausch zu nah kommt und wann ich ihn als angenehm empfinde.

Wenn die Person selbstreflektiert und selbstverantwortlich mit sich umgeht und ihre Erlebnisse entsprechend präsentiert, dann gestaltet sich dieser Austausch so, wie ich ihn vertrage und mag. Das geschieht auch mit alten Weggefährten, dass wir uns hin und wieder mailen, die Neuigkeiten im Lebenslauf kurz mitteilen, das eigene Erleben schildern. Damit ist jeder im Bilde über die Fortschritte und das Wachsen des anderen. Und jeder geht dann wieder seinem eigenen nach.

Wenn die Person sich mir aber so präsentiert, als wäre ich „besser“, „weiter“, könnte helfen und als wäre mein Verständnis und meine Zuwendung ausschlaggebend für ihren weiteren Weg (so wie ich das übrigens lange selbst gegenüber anderen Menschen getan habe), dann wird es mir schnell zu viel, dann fühle ich mich rasch mal unter Druck.

Die zusätzliche Schwierigkeit liegt manchmal darin, dass die Person sich selbst so nicht wahrnimmt, sich dessen nicht bewusst ist. Oder dies alles auch gar nicht ausdrückt, sondern ich das zwischen den Zeilen spüre, weil ich aufgrund meiner Ursprungsfamiliensituation feine Antennen für die Bedürfnisse meines Gegenüber ausgebildet habe und mich als Kind auch gezwungen sah, ungeachtet meiner eigenen Bedürfnisse auf die Bedürfnisse dieser mir nahestehenden Personen mit Mitgefühl und Verständnis zu reagieren. Daraus ist ein Muster entstanden, das ich seit Jahren nun Schritt für Schritt zurücknehmen lerne. Manchmal fällt es mir noch schwer, dann auf mich statt auf die dargebotenen dringenden Bedürfnisse des anderen zu schauen.

Und jetzt kommt die Katze ins Spiel.

Sie ist gerne in ihrem Revier unterwegs, geht ihrer Wege, kommt wann sie will und geht wann sie will. Und wenn sich ihr jemand mehr nähert als ihr lieb ist, dann gibts schon mal einen Prankenhieb zur Abwehr.

Ich tue mich manchmal schwer, eine angemessene Entsprechung zu diesem Prankenhieb in Menschensprache und -art zu finden.

Anfangs fielen diese Hiebe aus meiner Sicht grob aus und ich war erst zu ihnen fähig, wenn jemand es wirklich ausnutzte, sein Gejammer immer und immer wieder an mich heran zu tragen, bis ich selbst überhaupt keine Luft mehr bekam. Mit der Zeit fand ich Wege, in Kommunikation mit anderen bereits viel früher die Weichen zu stellen, wenn ich keinen näheren Kontakt wollte, um erst gar nicht an diese Punkte der völligen Überforderung zu kommen.

Ich frage mich, ob ich in meinem Käsefach manchmal einfach übermütig werde und laut signalisiere, dass man mich bitte von mir selbst ablenken soll. Was mich – als Spiegel – letztlich nur wieder auf mich selbst und das zurück wirft, was ich für mich selbst gerade tun kann.

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