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Mut – was ist das eigentlich? Stellt man sich unter Mut nicht gemeinhin etwas in der Art wie heldenhaft vor? Dachte ich bisher immer.

Als mir im Juli ein alter Bekannter mailte, er finde meinen Schritt, in die Schweiz zu ziehen, mutig, da antwortete ich ihm, dass es aus meiner Sicht ein folgerichtiger Schritt aus allem ist, was ich die letzten drei Jahre lebte und erlebte. Dass es aber stimme, so ganz ohne Mut ginge es schon nicht.

Heute geschah etwas, das meinen Mut auf ganz andere Weise heraus forderte.

Da ich – wie kürzlich erwähnt – im Moment aufgrund unserer Umstände relativ umsichtig bin, wofür ich Geld ausgebe, ein Haarschnitt notwendig wurde und man dafür in der Schweiz locker mal eben so 150 Franken hinlegen kann, hatte ich mich an die Arbeitskollegin meines Mannes gewandt, die privat anbietet, zu einem nach Hause zu kommen und für 50 Franken die Haare zu schneiden.

Als mir mein Mann vor etwa drei Wochen ihr Visitenkärtchen mitbrachte und mich damit auf diese Möglichkeit aufmerksam machte, war mein erster innerer Impuls: Will ich aber nicht. Ich will zu einem ordentlichen Friseur. Was wenn sie mich verschneidet? Sie ist aus der Dominikanischen Republik und wer weiß, wie genau sie es mit dem Schneiden nimmt? Außerdem will ich mir meinen Friseur selbst suchen.

Irgendwie kam ich aber zu dem Schluss, das seien Ego-Anhaftungen, denen ich bewusst nicht folgen muss. Darum ließ ich mich trotz Befürchtungen und inneren Widerworten darauf ein.

Haare schneiden lassen ist für mich ein heikles Thema. Erst vor etwa zwei Jahren fand ich in München einen Friseur, der eine Frisurenberatung anbot, die Gesichtsform und ähnliches berücksichtigte und endlich zu einem Haarschnitt führte, mit dem ich mich rundum wohl fühlte und der meinen Typ am besten unterstreicht, wie ich finde. Also wollte ich jetzt – wie immer seitdem – einfach nur kürzen, den Grundschnitt beibehalten.

Heute rechnete ich also auf eine Weise mit allem. Manchmal ist Mut einfach die Bereitschaft, trotz Angst einen Schritt nach vorne zu machen, ohne zu wissen wohin er einen führt, glaube ich.

Ich stieß gerade heute auf eine Werbung aus dem Briefkasten – ein Angebot eines Friseursalons am Ort, bis Ende Sept. 50% auf 3 verschiedene Haarschnitte, darunter auch „Damen Haarschnitt mit Waschen und Föhnen, lange Haare, 89 Franken“. Und dachte: Wenn alle Stricke reißen, nutze ich das. Da komme ich mit 45 Franken weg.

Aber nein, die Stricke rissen nicht. Meine halblangen gestuften Haare mit Naturlocken wurden gut nachgeschnitten und sie ist eine sehr nette und liebe Person. Wie sie mir die Haare hinföhnte – glatt geföhnt und unten Welle nach außen – entspricht mir überhaupt nicht, daher hab ich direkt nach ihrem Weggang alles nochmal nass gemacht und auf meine Weise geföhnt – Haare über Kopf und mit dem Diffusor „wild“ getrocknet. Auf diese Weise springen die Naturlocken auf natürliche Weise herum. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, es kann sich sehen lassen.

Von der inneren Aufregung bin ich nun recht müde. Aber auch froh, dass es gut gegangen ist :).

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