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Hier hatte ich kürzlich einen Teil der Geschichte meiner Beziehung zu meiner Mama erzählt. Ein paar Tage vorher hatte ich auch das Bedürfnis gehabt, einen Brief an meine Eltern zu schreiben und ihnen davon zu erzählen, warum ich mich als Kind in mich zurück gezogen hatte, jetzt, wo ich es weiß und die Zusammenhänge verstehe. Und ich hatte ihnen dort auch geschrieben, wie ich unsere letzten Begegnungen empfunden hatte.

Am vergangenen Dienstag 21. Aug. rief mich meine Mama an. Sie wollte zu dem Brief sagen, dass sie nicht wusste, dass ich mich als Kind so gefühlt hatte. Dass es stimmt, dass sie und mein Papa eine sehr enge Beziehung gehabt hatten und dass sie es heute so sehen würde, dass er fast sowas wie ein Ersatzvater für sie war und sie noch nicht richtig erwachsen geworden.

Und dann erzählte sie mir, dass es eine Begenbenheit gab, als ich noch Vorschulkind war, da ging sie mit mir Einkaufen und hatte mich bei der Hand genommen. In dem Moment war ihr bewusst gewesen, warum sie das tat: Sie brauchte mich. Und so sagte sie jetzt: Ich brauchte dich und du warst fast wie eine Mutter für mich. Da war ich jetzt erstaunt.

Sie bestätigte mein Gefühl, das ich bewusst zum ersten Mal mit etwa 26 Jahren gehabt hatte, als ich bereits zweifache Mutter war und meine Kraft und Energie für meine beiden Kinder und mich selbst benötigte. Meine Eltern waren ins Nebenhaus von uns gezogen, um uns bei allem etwas behilflich und als Großeltern präsent zu sein. Meine emotionale Abnabelung von ihr hatte noch nicht stattgefunden, sie kam mir manchmal zu nah, während ich mein eigenes Leben leben wollte.

So war sie eines Tages bei mir in der Wohnung und umarmte mich. Ich merkte nur, es fühlte sich an, als würde sie sich wie ein Kind an mich klammern, obwohl sie sowas sagte wie, sie hätte mich doch gern. Ich hab diese Umarmung damals nicht erwidern können, sie fühlte sich nicht richtig an. Ich wollte nicht für sie die Mutter sein, das war nach meinem Gefühl eine verdrehte Welt.

In der Zeit in München, bevor und während ich energetische Behandlungen anbot, zog ich Frauen an, die die Mutter in mir suchten. Ich hatte Mühe damit, denn in mir lebte noch das eigene innere Kind, das die Mutter vermisste. Ich schaffte es dann irgendwie, manchmal womöglich etwas unsanft (so mein Gefühl), diese Frauen auf sich selbst zurück zu werfen oder ihnen klar zu sagen, dass ich für sie nicht sein kann, was sie bei mir suchen. Ich zog mich von ihnen zurück und dieser Punkt führte auch dazu, dass ich letztlich in München keine Freundinnen mehr hatte, jedenfalls war keine Freundschaft mehr dabei, die ich aktiv pflegte.

Während ich diese Frauen los ließ und darum rang, dass sie mich los lassen, war ich natürlich gefordert, meinem eigenen inneren Kind etwas von dem zu geben, was es vermisst hatte. Ich begann es ernst zu nehmen und mich liebevoll um mich selbst zu kümmern, was zu meiner eigenen Heilung beitrug.

Heute beschäftigte mich das Thema von Müttern und Kindern insofern, als ich seit gestern Sehnsucht nach meinen Kindern empfand und – wie in letzter Zeit öfter – merkte, dass da drunter eigentlich was anderes steckt. Natürlich vermisse ich hier manchmal meine Kinder, das ist normal. Aber ich weiß auch, dass die größere Distanz zwischen uns durch meinen Umzug eine wichtige und richtige Lebensphase ist, die dazu führt, dass jeder von uns sich auch noch ein bisschen mehr um sich selbst kümmert und wir uns noch ein Stückchen mehr voneinander lösen.

So fragte ich mich heute, ob ich vielleicht meine Kinder ähnlich gebraucht hatte, wie meine Mutter mich? Ob ich das weiter getragen habe? Dabei kam ich zu folgender tränenreicher Einsicht.

Während ich 1991 innerlich damit beschäftigt war, den Vater meiner Kinder zu verlassen und ins Frauenhaus zu gehen, gab es eine Situation, wo ich mit meiner Tochter an der Hand beim Einkaufen war und ihre Hand bewusst los ließ. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen bei der Erinnerung daran, als hätte ich sie bereits vor meinem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung innerlich verlassen. Heute verstand ich plötzlich das schlechte Gewissen besser. In meiner Seele hatte es sich damals so angefühlt, dass ich für den vor mir stehenden Lebensabschnitt der Trennung von meinem Ehemann und dem damit verbundenen Verlust des bisherigen sozialen Umfeldes, alle verfügbaren Kräfte für mich selbst brauchte und nicht in der Lage wäre, während dieses Lebensabschnittes meine Kinder seelisch auch noch mit zu halten.

Bewusst wollte ich zwar, dass meine Kinder mit mir kommen. Praktisch führte kein Weg dahin. Ich fühlte mich damals als Opfer und kämpfte gerichtlich um das Sorgerecht für meine Kinder. Einer der zuständigen Beamten des Allgemeinen Sozialdienstes hatte damals gesagt, ob mir nicht klar sei, dass ich selbst diese Situation mit meinem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung ins Frauenhaus und mein Zurücklassen der Kinder selbst geschaffen hätte und nun nicht erwarten könne, dass das Amt mir die Kinder gibt, zumal diese sich bei jeder Befragung stets für den Verbleib beim Papa ausgesprochen hatten.

Heute verstand ich, inwiefern er recht gehabt hatte. Nun – was war, war. Es ging damals nicht anders, dazu stehe ich, stehe damit zu mir. Auch wenn es heute weh tat das zu sehen. Und auch wenn es heute weh tat noch einmal zu spüren, was ich damit für meine Kinder (nicht) getan hatte.

Und so wird mir anhand des eigenen Gelebten in der Tiefe bewusst, wie wir die Rollen von Mutter und Kind wählen, sie dann manchmal vertauschen, uns Schmerzen einhandeln, Vorstellungen haben, wer was wie zu sein und zu leben hätte. Und was am Ende bleiben kann ist die Liebe, die nichts nachträgt, die einfach ist, wenn wir endlich los gelassen haben und sie sein lassen können. In meinen Tränen hoffte ich heute, dass meine Tochter mir irgendwann wird verzeihen können, welche Rolle ich mit ihr gespielt hatte und was das mit ihr gemacht hat.

Ich erinnerte mich wieder einmal an dieses Lied…

Gestern hatte ich meiner Tochter eine kurze Mail geschrieben, ob bei ihr alles klar sei, weil sie auf meine letzten Mails nicht mehr reagiert hatte. Sie antwortete heute Vormittag kurz: bin halt irgendwie nich so der ich schreib mal eben alles was mir so einfällt typ, kennst mich doch, bei mir muss man nachfragen :b
vielleicht musste einfach mal anrufen oder so? 😉

Das tat ich dann heute Mittag. Und hatte den Eindruck, es steht kein innerer Vorwurf ihrerseits im Raum, den ich stets so fürchtete und der immer wieder mal verhindert hatte, dass ich wirklich an sie heran komme. Sie hatte nicht viel Zeit, wir sprachen ein bisschen und vereinbarten, demnächst nochmal zu telefonieren, wenn sie mehr Zeit hat.

Heute Abend ist zu dem ganzen Thema nochmal ein emotionaler Brocken

durch meine Seele geflutscht, der sich ganz übel anfühlte und mich zum Innehalten und Hinlegen veranlasste, weil nichts anderes mehr ging. Ich schlief tief und fest und jetzt geht es mir besser. Meine Welt fühlt sich wieder friedlicher an und ich bin zuversichtlich, dass auch der Rest heilen darf, der in mir noch in Unordnung war oder ist.

Ich weiß, dass die Rollen, die wir wählen und spielen, uns letztlich dienen. Aber bis es soweit ist, können sie ganz schön viel Ungemach mit sich bringen. Ich bin nicht stolz auf das, was ich in Verbindung damit lebte, aber ich hab mit meinem Steine-Verabschied-Ritual vor zwei Tagen auch diese Karte

der Natur übergeben, die seit meinem „Angel Therapy Seminar“ auf Korfu 2009, wo ich sie bei einem Ritual auf dem Angelocastro gezogen hatte, in meinem Hausaltar gewohnt hatte. Zu jener Zeit hatte ich die Karte auch daheim öfter gezogen und sie hat mich bis jetzt begleitet.

Vorgestern spürte ich die innere Bereitschaft, meine Unschuld jetzt anzunehmen, trotz allem, was ich in verschiedenen Rollen gelebt hatte. Und musste an den Planetentransit denken, der mich zur Zeit begleitet und sich „Selbstheilung“ nennt (ich hatte hier darüber geschrieben). Sie wird vollendet werden, zu ihrer Zeit…

PS: Heute Vormittag wusste ich auf einmal, heute brauche ich Rosenquarz. Also hab ich zwei Stück davon an meiner Hüfte links und rechts mit direktem Hautkontakt eingesteckt, die wurden richtig heiß. Für mich immer ein Zeichen, dass es in dem Moment die Richtigen sind und mit reagieren.

Edit 25.08.2012: Dieser Artikel hieß ursprünglich „Von Müttern und Kindern„.
Heute dachte ich, richtiger wäre: Von Müttern und Töchtern.
Mütter und Söhne haben aus meiner Erfahrung nochmal eine andere Dynamik, die separat angesprochen werden könnte.
Prompt schreibt mir heute eine Freundin: Hab auch deine Geschichte „Mutter und Tochter“ in deinem Blog gelesen.
Ja wenn das so ist… 🙂 Hab ich den Titel also abgeändert.

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