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In der Schweiz gibt es das Vermächtnis des Heimatortes, der unabhängig davon ist, wo man geboren wurde und lebt. Im Heimatort werden lebenslang sämtliche Personendaten geführt und jeweils ergänzt. Er hat damit zu tun, wo das eigene Familiengeschlecht her ist. Wichtig bleibt der Heimatort auch für Auswanderer, deren Schriften dort deponiert werden. (Zitat) Die Schriften, so werden in der Schweiz eben die Papiere mit den persönlichen Daten genannt.

Darauf sind wir gerade wieder gestoßen, als die schweizer Behörde, die meinen Antrag auf einen Ausländerausweis bearbeitet, darum bat, dass man ihnen ein Papier vorlegen solle, aus dem ersichtlich ist, dass unsere 2008 in Deutschland geschlossene Ehe im Heimatort meines Mannes auch eingetragen ist. Ein Anruf im Heimatort meines Mannes reichte, bei dem er die Namen und Geburtsnamen seiner Eltern nannte. Der gewünschte Schrieb kam innerhalb von zwei Tagen per Post, Kosten 40 Franken.

Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich völlig unvorbereitet war, als ich bei der Anmeldung in der hiesigen Gemeinde nach dem Geburtsnamen meiner Mutter vor der Eheschließung gefragt wurde und zwar mit Worten wie: Wie hieß ihre Mutter vor der Verehelichung zum Geschlecht? Ähm, nicht, dass er mir unbekannt wäre. Aber da ich nicht mit so einer Frage rechnete und die schweizer Worte so seltsam für mich klangen, hüpfte ich zunächst in der Ahnenreihe ein Glied weiter nach hinten und gab den Ledigennamen meiner Oma mütterlicherseits an. Zum Glück fiel mir der Irrtum noch auf, bevor alles im Computer gespeichert und die Anmeldung abgeschlossen war.

Ursprünglich war die Einrichtung eines Heimatortes dazu gedacht, dass ein Schweizer, der unverschuldet in Not gerät, dort das Recht auf Bleibe und Unterstützung hat, als letzte Zuflucht sozusagen. Inzwischen ist es so, wenn ein Schweizer Sozialhilfe bezieht, bekommt er dies zwar von dem Ort, wo er wohnt; die holen sich das Geld aber bei dessen Heimatgemeinde.

Nach dem oben zitierten Artikel hat der Ort in der Schweiz, wo z.B. ein Paar lebt und seine Kinder großzieht, mit dem sie sich als „Daheim“ identifizieren, emotionale Bedeutung, so dass sie dort dann schon mal käuflich das Bürgerrecht erwerben, so dass es ihr Bürgerort wird, auch wenn ihr eigentlicher Heimatort ein anderer ist. So ein Bürgerrecht kann bedeuten, dass man an Ortsbürgerversammlungen teilnehmen darf, die z.B. über Einbürgerungen entscheiden.

Beispiel Zürich: Tatsächlich bekommen jedes Jahr rund 250 Schweizerinnen und Schweizer das Bürgerrecht an der Limmat. Voraussetzungen: Schweizer Staatsbürgerschaft, zwei Jahre Wohnsitz in Zürich, keine Betreibungen (Pfändungen), nicht sozialhilfeabhängig. Kosten: 250 Franken für über 25-Jährige, für Jüngere die Hälfte. Vorteile: keine.

Und: Ein Ort ist nicht einfach ein Ort. Er ist immer Heimat für jemanden, Schauplatz von Kindheitserinnerungen oder Anekdoten einer Sippe, die von Generation zu Generation weitererzählt werden. Der Heimatort mag für die Behörden bedeutungslos sein, für die Bürger steht er hoch im Kurs. Immer wieder bieten darum Gemeinden ihren Einwohnern in Sonderaktionen an, sie ins Heimatrecht aufzunehmen — und so langfristig als Steuerzahler an sich zu binden. Wer dann aber seinen alten Bürgerort aufgibt, erlebt mitunter eine unangenehme Überraschung: Es kostet. Mitunter saftig. Die Gemeinde Rüthi im Kanton St. Gallen zum Beispiel verlangt für die Streichung 100 Franken. Ausbürgerungen über die Kantonsgrenze hinaus können richtig teuer werden. Bis zu 500 Franken verlangen einige Gemeinden. Das wird zwar als Schikane empfunden, ist aber legal. Und billiger, als den Eintrag im Pass mit Filzstift selber zu «korrigieren», was als Urkundenfälschung geahndet würde. Glück haben Berner, Zürcher und Basler. In diesen Kantonen kostet die amtliche Streichung des bisherigen Heimatorts bloss ein freundliches Lächeln. (Zitat)

Andere Länder, andere Sitten… 🙂

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