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Wir Menschen schlagen uns mit vielen Ängsten und Sorgen herum, nachvollziehbaren und irrationalen – und manchmal leugnen wir sie schlichtweg, um damit zurecht zu kommen. Doch das Leben führt uns immer wieder an sie heran.

Dieser Tage wurde mir bewusst, dass mein eigener Rückweg von einem Lebensgefühl inmitten von überwältigenden Ängsten hin zu … – das wird noch abzuwarten sein – so aussieht, dass äußere Umstände mich immer aufs Neue an meine Ängste heran führen, so dass ich jeweils vor dem Abgrund stehe und hinunter blicke in die Tiefe. Nur das nahe dran Sein, Wahrnehmen und Fühlen sowie Aushalten bewirkt, dass ich lerne, damit zurecht zu kommen, bewirkt, dass die Angst erst aushaltbar und dann weniger wird. Es fühlt sich an wie eine Desensibilisierung für Allergiker. Oder wie eine Konfrontationstherapie beim Psychologen. Denn die Schwelle, wo ich beginne Angst zu empfinden, wird immer größer, ich kann immer mehr davon gelassen hinnehmen.

Oft habe ich mich gefragt, ob das Leben je frei von Ängsten sein wird. Und empfinde es als Geschenk, dass ich Momente erleben darf, wo mein Gegenüber voller Angst ist, während ich im Vertrauen eingetaucht bleiben kann, mitfühle und doch ganz bei mir bin. Nicht immer, aber immer öfter.

Zur Zeit ist es so, dass ich manchmal das Gefühl erahne, ich hätte tatsächlich die Wahl zwischen mich so oder anders zu fühlen. Dass ich wie auf der Kippe (on the edge) bin und mich entscheiden kann, hierhin oder dorthin zu kippen. Manchmal wartet mein Inneres noch darauf, dass ich in die vertraute Tiefe stürze, um dann zu erleben, dass ich in die präsente Stabilität kippe.

So wie heute, als ich erfuhr, dass es auch mit der zweiten Wohnung in der Schweiz, in die ich mir innerlich vorstellen konnte einzuziehen, nichts wird. So dass im Moment keine Angebote an Wohnungen in dem von uns gesuchten Einzugsbereich und in der von uns geplanten Umzugsdauer mehr vorhanden zu sein scheinen.

Da gibt es einen Raum außerhalb demjenigen, in dem ich mich gerade befinde. Dort draußen lauern noch die Angst und die Sorgen. Doch die Türe zwischen uns ist geschlossen. Manchmal spüre ich die Anspannung, die von der Befürchtung herrührt, die Türe könnte sich unwillkürlich öffnen und die Ängste und Sorgen könnten erneut herein spazieren und mich mit ihrer Schwärze überziehen. Aber dann gibt es Momente, wo die Anspannung wie verschwunden scheint und ich mich wundere über die Stabilität, über die Freude und Zuversicht und innere Gewissheit, dass alles gut und richtig ist, obwohl es von außen überhaupt nicht so aussieht.

Das Leben zwingt mich los zu lassen, immer wieder, immer Neues. Immer wenn ich mich bereits halb nackt fühlte, galt es ein Nächstes los zu lassen. Ich wusste gar nicht, dass ich noch immer an etwas hafte. Was kommt, wenn ich an nichts mehr hafte? Ich lass mich überraschen.

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